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  • Autorenbildmadamedamm

Gurkenbusen zur Vorsorge, bitte!

„Wie viele Brüste untersuchen Sie so pro Tag?“, frage ich den Radiologen, der meine Brust in gleichmäßigen Bewegungen erst horizontal, dann vertikal mit dem Kopf seines Ultraschallgeräts abfährt. „30,“ antwortet der mir mit konzentriertem Blick auf den Bildschirm und ich frage mich, ob er die einzeln zählt oder von Paaren spricht.


Laptop, Busenpapier und Gurkenbrot auf dem Tisch
Busenpapier! Lieb ich! (Gefunden bei Friede & Stern am Elisabethmarkt / München)

Aber ich will ihn nicht stören. Er soll nur gut gucken. Schließlich bin ich familiär vorbelastet. Meine Urgroßmutter, meine Großmutter mütterlicherseits wie auch meine Mutter hatten alle Brustkrebs. „Ich hab' schon Kopf, ich brauch' nicht noch Brust!“, denke ich, aber sage das nicht. Es ist schön, mal die Patientin ohne Befund zu sein. Hier darf ich das (noch) sein. Ich genieße das! Und wie gesagt: Herr Doktor soll sich mal schön auf seine Untersuchung konzentrieren. Gleich wird er sagen: „Sie haben sehr dichtes Brustgewebe.“ Das weiß ich von meinen letzten Vorsorgen bei seinen Herren und Frauen Kolleg:innen. Einmal im Jahr gehe ich zum Ultraschall, alle zwei Jahre zur zusätzlichen Mammographie. So empfiehlt das nicht nur meine Gynäkologin, sondern auch meine Freundin Sophia. Sie ist niedergelassene Fachärztin für Frauenheilkunde und weiß genau um die gesundheitlichen Einschläge in unserer Familie.

„Sie haben dichtes Brustgewebe," sagt der Radiologe und nickt zu mir herab.


Noch immer liege ich mit den Händen hinter dem Kopf verschränkt wie auf Mallorca am Strand, nur oben ohne und im Schatten seines Monitors statt unterm Sonnenschirm.


Wenn das mit dem Gewebe kommt, bin ich jedes Mal erzürnt, denn dichtes Gewebe klingt für mich nach Festigkeit, nach prall und straff. Leider verhält es sich nach vier Schwangerschaften, einer kumuliert über zweijährigen Stillzeit und bald 43 Lebensjahren so mit meiner Brust, dass sie verschwindet, sobald ich mich in die Waagrechte begebe. Wie Pudding ergießt sich das sogenannte dichte Brustgewebe bis weit in meine Achselhöhlen. Das ist schade, aber das ist auch nicht schlimm. Denn:


„Sieht alles gut aus!“, sagt der Radiologe und zieht das gigantische Stück Küchenrolle, auf dem ich liege, unter meinem Po hervor.


Ich verstehe das als ein Zeichen, wir sind fertig, und erhebe mich. Meine Brust fällt zurück in ihre Form. „Gurkenbusen“, schmunzele ich für mich und erinnere mich an die freizügige Kategorisierung unseres Nachbarkindes vor Jahren. Zu meinem Bedauern - Das muss ich zugeben! - hatte der kleine Kerl Recht. In die Kategorie Apfel- oder wenigstens in die der Birnenbusen werde ich es in diesem Leben nicht mehr schaffen.


Der Radiologe reicht mir eine geknüllte Ladung Papier und ich wische mir das Gel von der Brust. Ich mache das in rhythmisch kreisenden Bewegungen. Kurz denke ich, Herr Doktor guckt mir zu, aber nein, er tippt nur stumm in seiner Tastatur herum. Mit einem Schnalzen ziehe ich mir das Unterhemd, das ich für die Untersuchung über den Hosenbund nach unten geschlagen hatte, wieder nach oben - über die vom Gel noch klebrige Brust. Den BH stopfe ich in die Tasche. Was soll’s.


„Vielen Dank dann mal, auf Wiedersehen!“


Freundlich verabschiedet mich mit einem Nicken auch Herr Doktor von hinter seinem Pult. 30 Brüste am Tag würden mich auch ermüden, sehe ich ihm seine Trägheit nach. Und freue mich im selben Moment, dass meine Brust ihn heute so gar nicht aus der Ruhe bringt!


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