• madamedamm

Die Freundin im Ohr

„Warum gehst du ran? Du gehst doch nie ran!“, jault meine Freundin ins Telefon als ich neulich… Ja: rangehe! Erschöpft sitze ich in diesem Moment auf unserem Schuhregal, es ist gerade mal zwanzig nach acht, ich habe das Handy in der Hand, weil ich meinen Kalender gecheckt habe.

Notizbuch mit vielen kleinen, bunten Frauenfiguren
Meine Freundinnen - Selten am, aber immer im Ohr!

Die Masse an Themen und To-Dos allein für diesen Vormittag gepaart mit dem morgendlichen Chaos auf unserem Flur macht mich fertig, ehe ich nur darüber nachdenken kann, womit ich anfange.


Ausgang? Zugestopft.


„Es ist so schlimm, da kann ich grad auch noch telefonieren," antworte ich und lasse meinen Kopf in die Daunenjacken sinken, die über mir am Garderobenhaken hängen.

„Du, ich hab auch gar keine Zeit, wollte nur einfach mal kurz reinhören bei dir…“, lacht meine Freundin. Ich lache auch. Wir legen auf.


Ich habe meine Freundin selten am Ohr. Das gilt für alle meine Freundinnen. Und doch habe ich sie immer dabei. Sie sind mir treue Begleiterinnen in diesem irren Alltag, in dem wir stecken, den wir teilen, ohne uns zu begegnen, dessen Ausgänge für uns alle gleichermaßen zugestopft sind mit Aufgaben aller Art, weshalb wir uns noch seltener sehen als überhaupt schon hören. Das ist eine Tatsache.


Die eine so, die andere so


Jede meiner Freundinnen geht mit dieser Tatsache anders um. Der einen gelingt es wie von Zauberhand. Sie lacht das schlimmste Chaos fröhlich beiseite. Die andere rempelt rigoros unter Einsatz ihrer Ellenbogen und einer gesunden Portion Egoismus. Die nächste schlängelt sich still hindurch, nimmt’s wie’s kommt und fügt sich. Wieder eine andere, ganz auf Krawall gebürstet, brüllt sämtliche To-Dos darnieder, für alle anderen gleich mit.


Alle meine Freundinnen stecken auch in mir. Ich habe sie im Ohr. Mal die eine, mal die andere. Sie machen mir Mut mit ihren ganz eigenen Weisen, ihrem ganz unterschiedlichen Blick auf die Alltagschaosdinge, mit ihrer Art, damit umzugehen.


Wir alle müssen ganz schön was bewegen, beiseiteschaffen, Ausgänge freiräumen, für einen entspannten Moment allein oder zu zweit, am Telefon oder im Café. Aber gut zu wissen ist doch, dass manchmal der ungünstigste Moment genau der richtige gewesen sein kann, um kurz gequatscht zu haben.


Liebe Freundin, wie schön, dich gehört zu haben! Ich mache mutig weiter. Wie auch du! Ruf wieder an! Ich geh auch ran.


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