• madamedamm

Kann das weg?

Gerade drehe ich viele Runden durch unsere Wohnung. Ich wedele und feudele als bekämen wir bald das nächste Kind. Dabei kriegen wir gewiss nicht noch ein Kind – so sehr ich meine Kinder liebe!

Viele Dinge wandern nur eine Etage höher

Und doch regt sich was in mir. Was sich ein bisschen anfühlt wie Nestbautrieb und aussieht wie Frühjahrsputz, ist eher eine Art Ballast-Abwurf-Drang. Der Frühling kommt. Und da will ich den ollen Winter weg. Und mit ihm alles, was sonst noch nervt. Drum räume ich nicht nur Winterjacken und Mützen weg, sondern ähnlich rigoros sämtliche Kinderbücher, die wahlweise Sterne oder Schnee auf dem Titel tragen oder Dekokram, den keiner mehr sehen kann. Wegräumen trifft es nicht in jeder Hinsicht. Vieles schmeiße ich dieser Tage rigoros weg.


Macht mich das glücklich?


Laut internationaler Experten in Sachen Aufräumen und Ordnung soll Frau sich beim Ausmisten die Frage stellen: Macht mich dieses Teil glücklich? Bei vielen Dingen stellt sich mir diese Frage aber so gar nicht. Der Regenmantel mit den zerlöcherten Taschen zum Beispiel macht mich nicht glücklich. Er macht mich sogar sehr ärgerlich, wenn mir das Kleingeld mal wieder im Futter klimpert. Als einziger seiner Art schützt er mich aber seit Jahren verlässlich vor strömendem Regen. Also was hilft’s? Der muss bleiben.


In einer Sache würde ich die Augen der japanischen Aufräum-Expertin Marie Kondo dafür ganz sicher zum Glänzen bringen! Wenn es um die gesammelten Bilder geht, die die Kinder tagtäglich in Tüten aus dem Kindergarten mitbringen. „Ist das Kunst oder kann das weg?“, höre ich Frau Kondo fragen und trage dann die meisten Werke direkt in die blaue Tonne, die wir mit den Nachbarn teilen und die freundlicherweise freitags ohne gesonderte Aufforderung geleert wird.


Ups-Moment beim Altpapier


Neulich traf ich an der Tonne meine Nachbarin. Die, von der ich weiß, dass sie die Bilder ihrer Kinder in stoffgebundenen Büchern sammelt. Pro Kind, mit Prägung und nach Datum sortiert. Kurz bekam ich ein schlechtes Gewissen ob meiner groß angelegten Entsorgungsaktion.


Wie viel Kunst ich wohl in den vergangenen Jahren schon im Altpapier versenkt habe? Sie ist weg. Unwiederbringlich. Und das ist schade. Wenn ich also doch nochmal ein Kind kriegen sollte, will ich das auch so machen wie meine Nachbarin und Kinderkunst in Büchern binden. Bis dahin genieße ich aber dieses herrlich befreiende Gefühl beim Tonnendeckelschließen! Mit jedem Teil, das da gerade bei uns rausfliegt, ein bisschen mehr.

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