• madamedamm

Die hohe Kunst der Langeweile

„Mir ist sooo langweilig.“ „Wir wissen einfach nicht, was wir spielen sollen.“ Regelmäßig stehen die Kinder mit langen Gesichtern vor mir. Wenn ich dann einen tollen Vorschlag mache, kommt grundsätzlich ein augenrollendes: „Neee, Mama. Keinen Bock.“

Und dann fällt ihnen plötzlich doch was ein

Drum lass ich das mit meinem gut gemeinten Rat. Den Kindern fällt schon was ein. Oder auf! Neulich haben wir in einem ziemlich düsteren Langeweilemoment zum Beispiel durch Zufall entdeckt, dass in unserem Wohnzimmer ein Klavier steht! Ja, wirklich! Da steht ein Klavier! Wir waren alle gleichermaßen erstaunt. Es ist noch dazu ein Schönes! Ein richtig schönes, großes, schwarz glänzendes mit – wir haben interessehalber nachgezählt – 88 Tasten. Es steht sogar recht prominent rechts vom Fernseher, schräg gegenüber vom Sofa. Wir kommen zwangsläufig mehrmals täglich daran vorbei.


Wie wir das übersehen konnten all die Jahre, können wir uns auch nicht erklären. Gestern ich dann also doch zur Großen der beiden Mittleren: „Na, wie wär’s denn zum Beispiel mit ner kleinen Runde am Klavier? Einmal die Lieder im gelben Heft?“ „Nee, Mama. Keinen Bock.“ Kurz darauf dann erneut ein gähnendes: „Mir ist so laaangweilig!“


Unverhofft an neue Ufer


Ich wünschte ja, mir wäre mal wieder so richtig langweilig. Da träum‘ ich von! Von dem wunderbaren Gefühl grenzenloser Langeweile. Genüsslich in einer Gedankensuppe zu schwimmen, die mein Hirn zäh durchknetet und dann ganz unverhofft an ein völlig neues Ufer schwappen lässt. Ich erinnere mich gut. Bevor ich Mutter wurde, war ich eine wahre Meisterin darin!


Drum freu ich mich, wenn meinen Kindern hin und wieder so richtig schön langweilig ist. Auf dem Höhepunkt ihrer Langeweile fällt ihnen nämlich doch immer irgendetwas ein. Selten das Klavier. Aber ich muss zugeben: Da käme ich auch nicht drauf, wenn ich denn mal wieder in den Genuss grenzenloser Langeweile käme…

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