• madamedamm

Das Wort zur Jogginghose


Deckenlampe mit Blüten weiß
Schlaf, Kindlein, schlaf!

„Mama, mag die Romy eigentlich die Jogginghosen, die sie anhat?“

„Ja, mein Schatz.“

„Warum mag sie die?“

„Weil die gemütlich sind.“

„Ziehst du ihr die an, weil sie gemütlich sind? Weil wenn, dann finde ich das nicht schön von dir. Weil die sind nicht schön, die Jogginghosen, die du ihr anziehst.“

„Aha, mein Schatz. Jetzt schlaf mal schön.“


Ich kann nicht mehr. Der Tag war lang, länger als der gestrige und das letzte, wonach mir jetzt noch ist, ist ein modische Auseinandersetzung mit der Jogginghose.


„Findest du Jogginghosen also schön, ja?“

„Ich mag Jogginghosen, ja.“

„Warum?“

„Weil sie gemütlich sind.“

„Findest du schön, was gemütlich ist?“

„Ja.“

„Hast du darum immer Jogginghosen an?“

„Naja, ich hab jetzt ja auch nicht immer nur Jogginghosen an. Oder? Aber ja, ich finde sie auch schön. Jetzt schlaf, mein Schatz!“

„Ja, ich schlaf jetzt mal. Schlaf gut, Mama.“

„Gute Nacht, mein Schatz.“


Stille. Herrliche, unendliche Stille, nichts als Stille soweit meine Ohren reichen. Wie Balsam legt sich dieses wunderbare Gefühl in jeden Winkel meiner Ohrmuscheln, wandert wohltuend weiter bis ans Ende meiner Gehörgänge.


„Aua!“

„Was ist denn, mein Schatz?“

„Mein Bein tut weh, wenn ich so liege. Warte mal…“


Sie wirft ihr Bein im rechten Winkel zur Seite und krabbelt mit dem Fuß langsam bis unters Kopfkissen. Jetzt täte mir das Bein weh… und der Fuß.


„So. Jetzt ist das bequemer für mein Bein.“

„Prima. Dann schlaf mal schön.“

„Du auch, Mama. Schlaf du auch gut!“


Stille. Herrliche, unendliche Stille, Stille soweit meine Ohren reichen. Dieses herrliche Gefühl, Balsam…


„Ich hab dich seeeeehr lieb, Mama!“


Mühsam rappelt sie sich noch einmal aus ihren Kissen hoch. Ein kleiner, feuchter Kuss in der Dunkelheit auf den Mund, einen weiteren auf die linke Wange, einen weiteren auf die rechte, zum Schluss einen auf die Stirn und einen auf die Nase noch.


„Mama?“

„Ja, mein Schatz?“

„Der Papa fehlt mir. Sooo sehr!“

„Ich weiß, mein Schatz, mir fehlt er auch. Aber nur dreimal schlafen, dann ist er wieder da.“

„Eins, zwei, drei, vier, fünf…“

„Nein, nur drei Mal!“

„Ich weiß. Aber jetzt kann ich einfach nicht mehr aufhören zu zählen, Mama!“


Irgendwo nach der 14 muss ich eingeschlafen sein. Am nächsten Morgen erwache ich in der Jogginghose von gestern. Die lass ich jetzt am besten gleich an. Sieht schön aus.


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