• madamedamm

Zwei Fäuste und ein Hörnchen

„Mama! Du machst mir einfach den Mut weg!“, empört sich meine Tochter neulich und stemmt dabei die Fäuste in die Hüften. Ups! Das war nicht meine Absicht.

Goldene Löwin und andere Tiere
Ich will die Löwin wecken in ihr!

Aber sie hat Recht. Wenn ich sage: „Lies‘ lieber noch nicht Harry Potter, da kriegst du vielleicht Angst von.“ Wenn ich sage: „Nein, bloß nicht, komm da runter, das ist zu hoch!“ Wenn ich sage: „Gell, das ist noch nichts für Dich?!“


Die Löwin in mir, die Löwin in ihr


Irgendwie liegt ja schon auf der Hand, dass permanentes Beschützen, Warnen oder Hinweisen auf etwaige ungute Folgeerscheinungen oder Begleiteffekte nicht die richtigen Strategien sein können, wenn es darum geht, in Kindern Mut zu fördern. Wenn ich will, dass sie stark und selbstbewusst sind, ihren Weg gehen, Dinge ausprobieren, selber Lösungen finden, sich an Neues wagen und was zutrauen, na klar: Dann bin ich es, die erstmal ihren Mut zusammennehmen muss!


Ausgeknipst!


Aber wie geht das, bitte schön, wenn ich selbst dauernd denke: „Ich kann das gar nicht gut (genug)“ und mich um Dinge herumdrücke, die ich nicht perfekt beherrsche? Zu oft stolpere ich im Alltag über meine eigenen Ansprüche an mich selbst. Da ist ein fieser Perfektionismus-Schalter in mir, von dem ich lange nicht wusste, dass ich ihn bedienen kann! Immer öfter knipse ich ihn aus. Für mehr Mut in meinen Kindern.


"Un cono con due gusti"


Zum Beispiel werde ich auch in diesem Jahr im Sommerurlaub „un cono con due gusti“ in der Eisdiele bestellen. Denn – das sage ich jetzt mal ganz laut und königlich: „Ich kann Italienisch!“. Dass ich das „R“ nicht richtig rollen kann (was mich über Jahre lähmte), stört keinen Menschen. Schon gar nicht meine Kinder. Warum dann mich?


Na gut. Auch in diesem Jahr wird mir der Kellner auf Französisch antworten. Meine Aussprache ist auch nach zwei Erasmus-Semestern in Mailand irrreführend geblieben. Das ist aber egal. Denn meine Kinder jubeln und freuen sich. Übers Eis und weil Mama einfach mutig macht.


Das R gerollt und Ohhmmm


Ich will niemandem den Mut wegmachen. Zuallerletzt meinen Kindern. Und vielleicht ist das ja einfacher als gedacht: Ich wage mich an Dinge, die ich nicht perfekt beherrsche, lasse Fehler zu und rolle ein „R“ so gelassen wie andere ein „Ohmmm“, wenn meine Kinder Harry Potter lesen oder höher hinaus klettern als es mir lieb ist.


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