• madamedamm

Oh Du Fröhliche!

Aktualisiert: 18. Dez. 2020

Seit ich Kinder habe, denke ich jeden Tag mehrfach: Das ist filmreif! Wo sind die Kameras? Kann das mal einer festhalten? In Bild mit Ton? Das Lesehäppchen zum Weihnachtsfilm von madamedamm...


Insgeheim warte ich seit ziemlich genau zehn Jahren darauf, dass ein Regisseur um die Ecke biegt und Sachen sagt wie: „Moment… Genau so! Stehen bleiben, ja... Und jetzt nochmal, bitte!“. Woraufhin ich mein Kind aus dem Kastenrad hebe, ihm megalässig mit dem Ärmel das Frühstücks-Porridge vom Kinn wische und die Brotdose, den Laternenstab, die Matschhose für wärmere Tage und zur Sicherheit gleich noch die für kältere mit atemberaubender Eleganz samt Kind zur Kindergarten-Tür hinein jongliere.


Schlaflos in Schwabing


Würde mein Alltag verfilmt, hätte ich auch schon ein paar schöne Titelideen: „Schlaflos in Schwabing“ zum Beispiel, „Plötzlich schwanger IV“ oder auch „Völlig fertig und es wird noch irrer“. Für alle, die den ultimativen Nervenkitzel suchen, hätte ich „Still‘ langsam“ im Angebot. Ginge es eher in Richtung Dokumentarfilm, böte sich für die Öffentlich-Rechtlichen sowas wie „Bin ich Mama und wenn ja, wie viele?“ an. Fürs Privatfernsehen vielleicht eher „Ist das Mama oder kann die weg?“.


Ich hege diese Film-Fantasie nicht, weil ich mich für besonders telegen halte oder weil ich gerne vor laufender Kamera stehe. Ganz im Gegenteil. Ich würde eine absolut grottige Schauspielerin abgeben, vor Nervosität erstarrt zur grinsenden Salzsäule, noch bevor die erste Klappe fällt.


Kein Abenteuer so groß


Vielmehr steckt die Tatsache dahinter, dass es für mich kein größeres Abenteuer gibt als den Mama-Alltag. Ich muss nicht erst den Mount Everest besteigen, um mich zu beweisen. Der morgendliche Weg zum Kindergarten birgt für mich genug Gefahren. Für einen roten Teppich muss ich nicht nach Hollywood. Beim Thema Teppich – völlig egal welcher Couleur – denke ich sofort an Staubsaugen, ganz unabhängig davon, welch glitzerigen Fummel ich gerade trage. Glanz verleiht mir zum Beispiel die Vaseline, mit der ich morgens meine Lippen pflege. Glanz und Gloria gibt es in meinem Alltag wie Ruhm und Ehre. Nur liegen dazwischen immer ein paar Katastrophen. Aus jeder einzelnen, wenn sie denn da bewältigt ist, schöpfe ich Kraft. Immer wieder für die nächste!


Die Antwort, warum mir bis heute kein Regisseur Avancen gemacht hat, liegt wahrscheinlich zum einen in der Frage: Wer will das sehen? Das, was ich da an Abenteuern erlebe, passiert jeden Tag - den ganzen Tag - 24/7 - ohne Unterbrechung - überall – millionenfach - auf der Welt. Wir Menschen sind daran gewöhnt, dass Mütter rennen, schaffen, schuften, wo sie eben gehen und stehen.


Zum anderen muss es an der gesottenen Konkurrenz liegen: Die Welt ist voll mit heldengleichen Müttern! Bei welcher da anfangen zu drehen??!


Bedeutet das alles, der Mama-Alltag sei nichts Neues? Normal? Interessiert sich keiner für?


Alles eine Frage der Betrachtung, sagen meine Freunde Annette und David, beide gleichermaßen vom Filmfach. Sie kamen neulich zu unserer Tür herein, schnüffelten nach den echten Mama-Alltags-Bildern wie Spürhunde nach Sprengstoff, steckten ihre Rüssel in die hinterletzten Krümel-Ecken, verschmolzen auf wundersame Weise mit unseren Tapeten und stoben keine 45 Minuten später mit einem prall gefüllten Kamerakasten wieder zur Tür hinaus.


Annette und David sind selbst Eltern einer irre großen Elfjährigen und haben in ihrem Alltag schon all die Pubertätsthemen, von denen ich noch nachts albträume. Beide sind Abenteurer. Für gewöhnlich dreht Annette mit den ganz harten Kerlen. David ist so weit gereist, dass er die Welt lässig in seiner Westentasche trägt. Kein Wunder also, dass es die beiden waren, die sich mutig in unsere Höhle vorwagten! Und zu bedenken gaben, dass unser Film jetzt schon recht weihnachtlich daherkäme. Aber da sage ich ganz entspannt: Wer echten Mama-Alltag einfangen will, kann nicht mehr schaffen als eine Momentaufnahme. In diesem Sinne: Oh Du Fröhliche!


Hier geht's zum Weihnachtsfilm von madamedamm...


Danke, liebe Annette und lieber David! Dass Ihr es mit uns aufgenommen habt, Euch keine Gefahr zu groß war, Ihr das Abenteuer Mama-Alltag auf diese lustige Weise für einen Moment sichtbar macht.

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