• madamedamm

Octo-Mama

„Alle Achtung!“, murmelt die Unbekannte und zieht elfengleich an mir vorbei den Berg hinauf.

„Du schaffst das, Mama, gleich sind wir oben!“, ruft Kind 2 von vorne und ich trete keuchend in die Pedale meines Kastenrads.

Ich spüre einen Tropfen Schweiß zwischen meinen Augenbrauen hindurch perlen. Er saust meinen Nasenrücken hinab und hängt sich an meine Nasenspitze. Dort wippt er dreist im Takt meiner Tretbewegung. Die Kirchturmuhr zeigt kurz vor drei, als ich mich vor der Grundschule vom Sattel wuchte. Mein frisch gebackenes Schulkind wartet bereits sehnsüchtig auf mich.


„Sch, sch-sch...“, versuche ich das Baby zu beruhigen, das ich umgeschnallt trage. Es brüllt mir weiter mit Inbrunst gegen das Brustbein. Ein Blick nach hinten bestätigt meine Befürchtung: Kind 3 ist auf der Fahrt eingeschlafen. Sitzenlassen ist keine Option. Ich schnalle es aus dem Fahrradsitz, lege mir seine vom Schlaf tonnenschweren Arme um den Hals und hieve es mir auf die Hüfte.

Unter großem Gestöhne klettert währenddessen Kind 2 aus dem Kasten und verlangt für die zwölf Stufen zum Schultor nach meiner Hand. Wie ein vierköpfiger Oktopus kraken wir mühsam die Treppe hinauf. Mit dem Schul-Gong kommen wir oben an. Ich bin schweißgebadet.

Freudestrahlend kommt uns Kind 1 entgegengerannt und schwingt mir mit Schmackes seinen Ranzen gegen's Schienbein. Kind 4 knallt zur Begrüßung lautstark in die Windel. Selig lächelt es mich von unten an. Mir schwant Übles. Wir müssen auf schnellstem Weg nach Hause. Vier Köpfe, acht Arme, drei Räder und ein Ranzen.

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