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"Maike, was bedeutet Glück für dich?"

Als ich kürzlich in einem Interview gefragt wurde: „Maike, was bedeutet Glück für dich?“, hatte ich meine Antwort sofort im Kopf. Nur fiel es mir schwer, mich bei diesem Thema kurzzufassen. Weil mein persönliches Glück in so vielen kleinen Dingen steckt, mit so vielen kleinen Dingen beginnt, dass ich kaum aufhören kann, sie aufzuzählen.


Ein Setzkasten mit vielen kleinen roten Dingen, z.B. ein bemalter Stein, eine Quietschqualle, ein Lippenstift usw.
Platz für viel kleines Glück (Foto: Anette Göttlicher)

Wenn unsere Jüngste beim i-Punkt den Stift in ihrer Hand so lange auf der Stelle dreht, bis das Papier viele kleine Löcher hat. Oder wenn mir der Duft von Kaffee am Morgen in die Nase steigt. Ich weiß: Das klingt plump. Aber mir macht es ein wohlig warmes Gefühl im Bauch – wie auch der Gedanke an die zweite Tasse Kaffee, die ich Sonntagmorgen zusammen mit meinem Mann ganz bewusst genieße. Und, na klar: Glück ist immer auch das Lachen meiner Kinder. Oder wenn die Kleinen zusammen in ihrem Kinderzimmer singen, nachdem sie sich den halben Nachmittag verkloppt haben. Wenn sich die Mittleren ganz automatisch an die Hand nehmen beim über die Straße gehen oder die Große wutentbrannt die Türe knallt.

Echt jetzt? Wenn sie die Türe knallt?


Na klar. Türeknallen geht GAR nicht. Türeknallen ist furchtbar. Ich hasse es, wenn eine hier die Türe knallt. Darum springe ich auch auf, renne über den Flur, stampfe die letzten Meter mindestens so wutentbrannt wie mein Kind, um meiner Tochter (welche auch immer es ist) eine ordentliche Standpauke zu halten. Warum Türe knallen gar nicht geht. Meist folgt eine Reihe klassischer Salven darüber, was sonst noch alles gar nicht geht (Klamotten übers ganze Zimmer verteilen, dreckiges Geschirr einfach in die Ecken schieben, hauen, kratzen, beißen, andere wüst beschimpfen). Danach sitze ich dann aber doch und staune. Ob dieser unbändigen Energie, die da aus meinen Kindern herausbrechen kann – wenn sie klein sind, aber besonders wenn sie größer werden. Was für eine Kraft! Wie lebendig das! Und wie herrlich alltäglich! Frohgemut und dankbar bin ich dann ganz besonders, wenn ich mich am Folgetag im Schneidersitz in Socken an meinen Sekretär schwingen darf, um zu schreiben. Und genauso durchströmt es mich, wenn das Leben wieder um mich tobt, sobald die Kinder von der Schule kommen. Wenn wir lachen und uns zoffen, uns bei der Hand nehmen und dann auch wieder... Ja: eine Türe knallt.

 

Zusammengefasst ist Glück für mich Zeit mit meiner Familie.


Dass ich mich in meinem Leben mit den Menschen umgeben darf, die mir wichtig sind, mit denen ich mich wohlfühle, die mir gut tun. Ich habe tolle Eltern, Geschwister, Freundinnen, die mir nicht (oder nur noch selten) übel nehmen, wenn ich nicht (sofort) zurückrufe, und Nachbarn im Haus, die so viel mehr sind als das!

 

Glück ist für mich auch, dass ich genau hier und jetzt an diesem Ort und auf diese, meine ganz eigene Weise im Leben stehen darf.


Ich bin 42, habe vier tolle Kinder, die mich jeden Tag aufs Neue inspirieren, zum Lachen bringen… und, na klar, nach wie vor auch an meine Grenzen. Zu alledem habe ich einen Mann, mit dem ich dieses Glück teilen darf. Mit dem ich unser gemeinsames Leben in vielen kleinen Dingen feiere. Abends mit Chips auf dem Sofa zum Beispiel. Wenn wir da sitzen, zu zweit, und die Kinder schlafen. Auch das ist mein Glück. Beziehungstechnisch basiert unser abendliches Glück heute übrigens zu großen Teilen auf der Tatsache, dass wir nur noch selten darüber streiten, wer von uns beiden heute den härteren Tag hatte…

 

Warum ich so genau weiß, dass es all diese vielen, kleinen Alltagsdinge sind, dir mir mein Glück bedeuten?


Weil es in meinem Leben einen Moment gab, in dem ich das schmerzlich erfahren musste. Seither denke ich, dass all meinem Glück wohl eine Sache voransteht: meine Gesundheit.


“Bewahrt euch eure Gesundheit!”, hat mein Vater immer schon so schön gesagt. Meine Geschwister und ich haben dann immer gegähnt. Jetzt tun wir das nicht mehr. Denn unsere Gesundheit ist wohl wirklich das Kostbarste, was wir haben. Tja. Bei mir war sie von einem Tag auf den anderen futsch. Ohne mein Zutun lag ich 2016 aus dem Nichts mit einer Hirnblutung auf der Intensivstation. Ich hatte großes Glück. Denn ich bin hier! Dennoch ging ich nach Hause mit einer Diagnose, die mir mein Leben lang bleiben wird. Weder diese Erfahrung noch meine Diagnose wünsche ich auch nur irgend jemandem. Gleichzeitig denke ich nicht, dass auch nur eines von beidem nötig wäre, um erkennen zu können, dass das große Glück in sehr kleinen Dingen steckt, dass es die sehr kleinen Dinge im Hier und Jetzt sind, die uns unser großes Glück bedeuten. Zumindest ist das bei mir so. Denn all diese kleinen Alltagsdinge waren es, die ich mir sehnlichst zurück gewünscht habe in dem Moment, in dem ich da in der Klinik lag und erfahren musste, wie schnell wir all das verlieren können.


Mein Alltag ist mein Glück - all dem Tumult, der täglichen Kraft- und Nervenanstrengung, die mit ihm einhergehen, zum Trotz!


Denn na klar ist unser Alltag oft anstrengend. Und nicht immer schön. Auch ist ein Leben mit Kindern nicht immer das pure Glück. Oft zoffen sie sich. Dann zoffen wir uns. Immer ist alles anderes als gedacht und mehr Chaos und Gerenne als es mir lieb ist. Trotzdem lieb ich’s. Meine Gesundheit hat einen Knacks. Aber ich bin hier. Nicht für immer. Aber jetzt!

 

Warum ich meine Geschichte gerne erzähle?


Weil ich dir wünsche, dass auch du in diesem vermeintlich Unbesonderen, deinem Alltag, das Besondere erkennst, und an jedem einzelnen Tag in einer Sache – sei sie noch so klein - dein Glück findest!

 

Und jetzt verrat mir: Was macht dich gerade glücklich? Ich freu mich, wenn du dein Glück mit mir teilst! Gerne drüben bei Instagram! Du findest mich auf meinem Account @madamedammm – Ich freu mich auf dich! Und danke an dieser Stelle der lieben Gesche, die mir die schönste all meiner Lieblingsfragen gestellt hat und sich mit ihrer Reihe #aufeinchi bei Instagram bemüht, dass wir unser Glück teilen und in die Welt hinaus tragen.


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