• madamedamm

Hey Super-Mom!

Die Kinder fragen mich oft: Nicht oder doch? Meist wiederholen sie das zweimal ganz schnell hintereinander: Nicht oder doch, nicht oder doch? Das bringt es ziemlich genau auf den Punkt, wenn ich darüber nachdenke, ob ich eine Super-Mom bin oder nicht. Dieser Begriff macht mich nervös sowie er mein Ohr erreicht.

madamedamm sitzt auf dem Boden und strickt entspannt
Super-Mütter schaffen einfach alles. Und stricken noch entspannt nebenher. Oder?

Nicht dass ich mich jemals als eine Super-Mom bezeichnen würde. Himmel, nein! Gerade weil sich das für mich nicht wie ein Kompliment anfühlt. Ich kriege da mit sofortiger Wirkung ein böses Kribbeln in der Bauchgegend. Bei Super-Mom denke ich an Helikopter, an unangenehmen Perfektionismus, überzogene Ansprüche an sich selbst, maßlose Selbstüberforderung.


Heldin des Alltags und so viel mehr


Nun ist es so, dass ich als Mutter von vier Kindern sehr oft mit diesem Begriff konfrontiert werde. Als hätte ich die Superkraft gefressen, allein weil ich ein oder zwei Kinder mehr habe als andere Mütter.


Ich weiß, dass „Hey Super-Mom!“ oft nett gemeint ist, sprich: anerkennend. Manchmal auch nicht. Aber dazu ein andermal. Was das unangenehme Gekribbel im Bauch noch verstärkt, ist, dass der Begriff Super-Mom mit sofortiger Wirkung alles andere ausschließt. Er lässt keinen Raum, er setzt sich dick und fett mittenrein, füllt alles aus. Als wäre ich Mutter und sonst nichts. Das klingt jetzt wiederum so, als wäre das nicht genug, als wäre ich gerne etwas anderes. Das ist Quatsch! Ich bin nichts lieber als Mutter! Aber eben sehr gerne auch Frau, Tochter, Schwester, Freundin, Autorin und ach, noch so viel mehr.


Der Soundtrack böser Tage


Dabei gab es durchaus schon Momente, in denen ich mich wie eine Super-Mom gefühlt habe – so ganz im ganz klassischen Sinne von supermutig, heldinnengleich. Wenn ich mich nachmittags in den Mantel schwang, mein Baby fest vor die Brust geschnallt, das Kleinkind an der Hand, um die beiden Großen zu ihrer Ballettstunde zu bringen. Nur so als Beispiel. Für solche wöchentlich wiederkehrenden Aktionen musste ich mich wappnen. Mich mental ins Superheldinnenkostüm werfen. Da spielte in meinem Ohr schon mal der Kill Bill-Soundtrack, wenn ich die Tür zur Ballettgarderobe öffnete.


Nicht die, die alles schafft


Leider ist diese Art von Super-Mom-Gefühl sehr selten. Denn meist geht unterwegs was schief. Weshalb wir oft gar nicht erst ankamen in der Ballettgarderobe. Und wenn wir denn ankamen, war dieses erhebende Gefühl spätestens futsch, wenn ich in der engen Garderobe mit Baby umgeschnallt auf die Knie ging und mir der Schweiß schneller den Rücken hinunterlief als ich die Schleifen an den Schläppchen meiner Töchter binden konnte.


Die ganz alltäglichen Wege und Momente im Leben einer Mutter erfordern oft übermenschliche Kräfte, viel Mut und alle Energie. Dabei ist eine Super-Mom für mich mitnichten eine, die alles schafft. Super-Mom ist für mich die, die auch mal alle Fünfe gerade sein lassen kann. Die ehrlich sagt: Ich kann nicht mehr! Die mutig um Hilfe bittet. Bei der das Stehen zur eigenen Schwäche die wahre Stärke ist.


Also, Super-Mom: Nicht oder doch ist hier gar nicht die Frage. Nur eins ist klar: Wir müssen gar nicht alles schaffen. Und können auch mal was schwänzen.


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