• madamedamm

Er sagt, sie sagt

Was einer sagt, aber eigentlich damit meint, und was der andere wiederum hört, steht auf drei völlig unterschiedlichen Papieren. Die Kommunikation zwischen Eltern ist eine besonders spannende Sache.


madamedamm mit Mann
Wurscht? Nö.

Klare Worte sind das A und O in einer Partnerschaft. Na klar! Wissen wir alle, sind wir uns einig. Unseren Kindern bringen wir bei, sich deutlich zu artikulieren. Bei uns selbst setzt es dann aber schon aus, wenn es um Käse geht. Um Käse? Ja, richtig gehört. Um Käse. Noch dazu um die ganz schlichten Sorten wie Gouda oder Emmentaler.


Feststellung versus Vorwurf


Wenn mein Mann zum Beispiel morgens in den Kühlschrank guckt und sagt: „Der Käse ist alle.“ ist das für ihn nichts weiter als eine Feststellung. Eine ganz schlichte, herkömmliche, plumpe Feststellung. Was ich aber höre, ist der Vorwurf, es versäumt zu haben, rechtzeitig Käsenachschub ranzuschaffen. Ich setze Käse ganz oben auf die Einkaufsliste.


Dabei meint mein Mann das mitnichten. Weder möchte er mir einen Vorwurf machen, noch sieht er mich als die Käseverantwortliche in unserem Haushalt und erwartet, dass ich losziehe und Käse besorge. Ehrlicherweise ist er der, der bei uns einkauft. Spätestens seit wir vier überwiegend gut essende Kinder haben, schleppt er also den Käse ran.


Meine Einkaufsliste, seine Einkaufsliste


Weil wir regelmäßig stritten, wie eine Einkaufsliste optimalerweise anzulegen sei, macht er auch das. (Ich schreibe mit Bleistift auf Papier, er tippt ins Handy / Ich sortiere nach Mahlzeiten, er wählt den virtuellen Gang durch den Supermarkt und beginnt bei frischem Obst und Gemüse / Ich notiere Produkte, die langsam zu Neige gehen, er kauft erst, wenn wirklich Not am Mann ist / Ich plane Sonntagabend für die anstehende Woche, er fünf Minuten vor Eintreffen im Supermarkt).


Manchmal sprechen mein Mann und ich wie Kinder. Wenn mir dann meine Freundin von den Kommunikationsregeln erzählt, die sie im Umgang mit Handy & Co für ihre Kinder aufgestellt hat, muss ich sagen: Wir beachten die selbst nicht mal. So lassen wir uns oft nicht ausreden. Wir verallgemeinern. Schimpfen vorschnell und meckern ohne Rücksicht auf Verluste.


"Was ein Mann sagt, meint ein Mann." Aha.


Hinzu kommt, dass ich gerne viel hineininterpretiere in das, was mein Mann sagt. „Was ein Mann sagt, meint ein Mann“, sagt mein Mann dann. Und meint das auch so. Er schaltet bei mir rigoros ab, wenn mehr als drei Sätze aufeinander folgen, oder knallt mir eine schnelle Lösung vor den Latz in einem Moment, in dem ich nicht nach einer Lösung suche, sondern nur meine Gedanken teilen mag. Manchmal ist es auch andersrum.


Die Kommunikation zwischen Eltern darf eine spannende Sache bleiben, finde ich. Nur doch bitte nicht in Bezug auf die Einkaufsliste. Wer braucht schon Käse? Essen wir halt Wurscht.

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