• madamedamm

Kein Plan so gut

Es ist nicht lange her, da war ich Mutter mit Vorsatz. Grundsätzlich machte ich mir Gedanken und immer auch einen Plan. Ich hatte ein Kind und kreiste gedanklich um Bindung, gesunde Ernährung und die Bedeutung von Schlaf.


Noch vor Geburt von Kind Nummer 2 sperrte ich die Ohren auf, wenn es um Geschwisterdynamik ging und die Förderung von Sozialkompetenz im Kleinkindalter. Beim Dritten wurde Selbständigkeit im Sinne körperlicher und geistiger Fähigkeiten ein Thema. Mit dem Vierten kam dann der große Knall: Ich warf mein gesammeltes pädagogisches Latein über Bord.


Zufrieden mit "ein bisschen gut"


Seit wir zu sechst sind, bin ich eine Mutter, die einfach mal macht. Entscheidungen aus dem Bauch heraus trifft und ohne lange Liste in den Tag startet. Die gar nicht erst alles richtig zu machen versucht. Die zufrieden ist mit „ein bisschen gut“ und nicht traurig über „gar nicht mal perfekt“. Sich weder misst, noch ständig zu optimieren versucht. Die den Alltag Alltag sein lässt und nicht unnötig vollstopft. Die sich nicht geißelt und mütterlichem Ehrgeiz so gelassen entgegen blickt wie ihrem Spiegelbild. Denn hey: Sind wir nicht alle ein bisschen toll und abends ziemlich müde?

Ich vertraue darauf, dass schon alles gut gehen wird. Auch wenn ich – aus Gründen, die viel mit Zeit, Kraft, Lust und Nerven zu tun haben – abends nicht sagen kann, ob alle Kinder ihre Apfelschnitze hatten. Auch nicht, ob sie die Hausaufgaben (richtig) gemacht haben. Genauso wenig kann ich sicherstellen, dass meine Kinder mit drei Jahren Rad fahren oder mit vier erfolgreich einen Schwimmkurs absolvieren. Auch den richtigen Umgang mit Wutanfällen schlage ich nicht im Erziehungsratgeber nach.


Mein Bauchgefühl und das Dorf


Ich verlasse mich. Vertraue auf mich und mein Bauchgefühl. Auf meine Kinder und alle, die in ihrem Leben eine Rolle spielen. Die Kompetenz der Lehrerin, wenn es darum geht, dass sie lesen und schreiben lernen. Den Humor und das Verständnis meiner Freundin, wenn ich wieder einmal unsere Verabredung absage.

Ob ich resigniert habe? Mich schlicht abgefunden habe mit all den Abstrichen, die ich in meinem Alltag mache? Mit all den Unzulänglichkeiten meines Mama-Ichs?


Nein. Ich fühle mich befreit. Gehe entspannter durch den Mama-Alltag. Gerade so, als hätte ich einen schweren Mantel aus überhöhten Ansprüchen an mich selbst abgelegt. Ganz nebenbei scheinen meine Kinder gut mit sich. Sie mögen mich (meist) und haben Freunde wie Talente. Und schau mal einer an: Sie lesen Bücher, fahren Rad und schwimmen frei!

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