• madamedamm

Das ist Arbeit, auch mit Kerze


Ich bin bei uns zuhause das Zentrum allen Geschehens. Ich bin der Ort, an dem sich alle tummeln. Gleichzeitig eine Einrichtung, die den Bedürfnissen der einzelnen Familienmitglieder nachgeht und noch dazu altersentsprechende Angebote schafft. Außerdem sei ich zuhause die Bestimmerin, sagen meine Kinder. Und mein Mann. In dieser Position zu arbeiten, ist jeden Tag aufs Neue…hart.


„Mama?“

„Ja, mein Schatz?“

„Der Papa sucht Dich.“


Wenn ich arbeite – und damit meine ich nicht die Mama-Arbeit, die die 100 und 5 Prozent meines Tages vollumfänglich füllen – sondern die 5 Prozent des Tages, in denen ich meiner Autorentätigkeit nachzugehen versuche, dann kündige ich das vorher an.


„Die Mama geht jetzt arbeiten“, sage ich laut und deutlich. Das klingt dann so, als nähme ich den Autoschlüssel und führe in ein Büro an einem fernen Ort. In Wirklichkeit sitze ich an einem wechselnden heimlichen Ort in unserer Wohnung. Das kann in unserem Schlafzimmer sein, im Tipi der Kleinen oder in der Schreibtischecke einer der Großen. Gerne auch mal auf dem Gästeklo.


„Ah, hier bist Du. Sag mal, wo ist der Autoschlüssel?“


Auf solche Fragen reagiere ich nicht, wenn ich arbeite. In diesen kurzen Momenten bin ich nicht Mama, sondern Autorin. Ich arbeite gerne. In beiden Jobs! In dem als Mama so gern wie in dem als Autorin. Der Unterschied ist: In dem einen akzeptiere ich mehr oder weniger, dass mir dauernd einer reinquatscht. Im anderen nicht. Die Unterscheidung scheint meiner Familie trotz aller Deutlichkeit schwer zu fallen. Ich versuche, sie zu erziehen, indem ich bewusst überhöre. Aber auch die Strategie des bewussten Überhörens birgt ein Problem. Man hört ja eben doch, was ein anderer aus dem Off ruft und tut nur so, als würde man das nicht hören.


„Hast du den Autoschlüssel gesehen?“


Das Gute ist: Wenn ich arbeite, kümmert sich mein Mann um die Kinder. Das macht er toll. Ganz anders als ich und gerade deshalb sehr toll. Ich muss mich nur immer wieder aufs Neue daran gewöhnen, dass er die Dinge so anders macht als ich sie tue.


„Maaamaaa?“


Im Prinzip arbeite ich, um mit mir allein sein zu können. Um einmal am Tag meine Gedanken zu sortieren, klar meine eigenen Ziele zu formulieren und deren Umsetzung zu planen. Selbstbestimmt und frei in meine Tastatur zu tippen, ohne dass einer was will oder mir einfach nur zum Spaß am Ärmel zieht.


„Ach. Du hast’s aber gemütlich hier. Sag mal, liegt hier irgendwo der Autoschlüssel?“

„Kannst du mich bitte noch kurz allein lassen? Die Kinder kommen schon dauernd rein. Ich möchte ganz schnell das hier noch zu Ende machen…“

„Ja klar, mach ganz entspannt!“


Ich haue in die Tastatur als gäbe es kein Morgen.


„Mama? Maamaa!“

„Ich arbeite!“

„Im Schlafzimmer?“

„Ja-ha!“

„Ich hab Piipii gemaacht!“

„Schö-hön! Ruf den Paapaa!“


Musik dröhnt aus der Küche.


„Kannst du mal bitte abputzen gehen? Ich aarbeiitee!“, dröhne ich dagegen an.

„Na klar!“


Der Text muss heute raus. Abgabe ist um zwölf.


„Mama?“

„Moment, mein Schatz.“

„Was machst du denn?“

„Ich arbeite.“

„Hm.“

„Was hm?“

„Also Mama, das sieht jetzt irgendwie nicht so nach Arbeit aus.“


Meine Tochter deutet auf die Kerze, die da einsam als Motivationslicht auf dem Fensterbrett brennt. Ich mache es mir gerne schön, wenn ich arbeite. Ich arbeite ja gern. Das habe ich bereits erwähnt.


„Wisst Ihr was, ich häng jetzt dann ein Schild auf.“

„An der Schlafzimmertür? Super Idee.“ Mein Mann aus dem Off.

„Kann ich jetzt bitte noch fünf Minuten arbeiten? Ich tipp das wirklich blitzschnell fertig, wenn ihr mich nur kurz lasst.“


Klare Regieanweisungen sind das A und O beim Zuhausearbeiten.


„Bist du jetzt fertig, Mama?“

„Nein, mein Schatz.“

„Ok. Dann warte ich einfach, bis du fertig bist.“

„Geh doch bitte kurz .... Ich kann mich sonst nicht gut konzentrieren, wenn du hier neben mir sitzt, weißt Du?“

„Aber es ist so schön hier bei dir mit der Kerze da.“

„Dann puste ich die jetzt aus.“

„Mama! Ist doch schön, wenn du’s dir schön machst bei der Arbeit!“

„Ich bin fertig für heute, mein Schatz.“

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