• madamedamm

B wie Bastelmutti

„Bist du so ne Basteltante?“, fragte mich einst mein Schwager, als meine Schwester ihm stolz mit unseren gesammelten Werken vor der Nase wedelte. Wie die Heiligen Drei Königinnen überbrachten wir unsere Gaben für das Baby, das die beiden gerade bekommen hatten.


Meine Schwester war im Hormonhimmel außer sich vor Freude angesichts der ihr und ihrem Nachkommen gewidmeten Kunst. „Was? Ich? Nee!“, wischte ich seine Vermutung schnell vom Tisch. Basteltante. Bastelmutti vielleicht noch?


Das wollte ich wirklich nicht sein. Das klang nach Unterbux aus verstaubten Filzresten und roch nach ranzigen Eierkartons mit Schraubverschluss oder ähnlichen hobbykreativen Entgleisungen. Immer wenn wir sitzen und fröhlich vor uns hin basteln, denke ich seither an meinen Schwager und seinen ungläubigen Blick. Er sagte das damals nicht abfällig. Es war eher eine neue Perspektive, die sich ihm da auf mich und mein neues Mutter-Ich bot.


B. Auch wie… Banausin!


An das musste auch ich mich erst einmal gewöhnen. Heute würde ich auf seine Frage anders antworten. Ich würde sagen: „Oh ja, genau so eine bin ich!“ Denn wenig liebe ich mehr als mit meinen Kindern in den Tiefen unserer Bastelkiste abzutauchen oder völlig ungeniert alles zu verbasteln, was uns der Alltag vor die Füße spuckt. Themen wie Termine, Lust wie Launen, Müll wie Sachen, Natur pur wie Plastik poliert. Einzige strenge Regel: Alles geht, nix muss.


Unsere Kunst tut uns gut. Darum gehen wir oft ins Museum. Ich spreche da nicht groß drüber, denn wehe einer fragt mich nach dem Namen eines Künstlers. Die haben bei mir einen ähnlichen Effekt wie Songtitel. Sie zerrinnen in meinem Hirn ehe ich sie auch nur zu Ende gelesen oder gehört habe. Ich hoffe an dieser Stelle auf Nachsicht all derjenigen Künstler, deren Namen ich nicht erinnere, deren Werke ich ganz frech einfach nur auf mich wirken ließ.


Weil… Wir gucken nur. Manchmal schleichen wir sogar durchs Kunstareal, wenn die Museen geschlossen haben. Bestaunen eine Lichtinstallation oder auch nur das beleuchtete Schaufenster einer angrenzenden Galerie. Aber immer gehen wir inspiriert mit einer Tüte voller Ideen wieder nach Haus.


Kleines „b“ wie kleines „bisschen böse“


Was genau daran jetzt mutig ist? Noch nix. Erst was jetzt kommt, erfordert Mut! Ich bekenne: Wir sind voll die Nachmacher. Auch das muss man erstmal mutig sein. Ein Nachmacher. Ich muss doch nicht immer die sein, die’s erfunden hat! Genau so wenig muss ich mich an irgendetwas halten, das eine andere erfunden hat.


Wenn wir etwas anfangen, lassen wir uns treiben. Meist kommt etwas ganz anderes dabei heraus als das, was wir ursprünglich im Sinn hatten. Gerade malen wir lachende Häuser nach James Rizzi und versuchen uns an einer Welt-Klapp-Karte. Wenn die nix wird, machen wir ein Klatschbild draus. Frei nach dem Motto: Alles kann, nichts muss. Ich liebe Kunst! Wie die Bastelmutti in mir.

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